Der Schriftsteller Arno Schmidt

lebte in Bargfeld bei Eschede.

 Der Arbeitsplatz von Arno Schmidt in seinem Haus in Bargfeld bei Eschede Am Kronsberg - Foto: Juergen Muegge-Luttermann 1984

Der Arbeitsplatz von Arno Schmidt in seinem Haus in Bargfeld. ( Foto: Juergen Muegge-Luttermann 1984)

Arno Otto Schmidt (* 18. Januar 1914 in Hamburg-Hamm † 3. Juni 1979 in Celle) war ein deutscher Schriftsteller der Nachkriegszeit. Seinen ersten Erzählungsband veröffentlichte Arno Schmidt 1949. Für die darin enthaltene Erzählung "Leviathan oder Die beste der Welten" erhielt er den Akademie-Preis der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Dieser Erfolg ermöglichte es Schmidt, fortan als freier Schriftsteller in Gau-Bickelheim, Kastel an der Saar und später in Darmstadt zu leben. Er entwickelte seinen expressionistischen, experimentellen Stil weiter, indem er sich intensiv mit James Joyce befasste.

Seine Werke der 1950er Jahre waren geprägt von seiner Gegnerschaft gegen das restaurative Deutschland der Adenauer-Ära und zeigten bei allem Sprachwitz eine von Anfang an pessimistische Weltsicht. Seit 1958 wohnte Schmidt im Heidedorf Bargfeld bei Eschede im Landkreis Celle, wo alle seine späteren Werke entstanden. Dazu zählt auch Arno Schmidts Hauptwerk "Zettel’s Traum", in dem er sich auf 1331 dreispaltig beschriebenen DIN-A3-Seiten, mit dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe befasste.

Arno Schmidt, der anfangs keine hohen Auflagen mit seinen Büchern erzielte, erarbeitete über viele Jahre auch Übersetzungen englischer und amerikanischer Autoren sowie Rundfunkarbeiten.

Arno Schmidt Zitat

Arno Schmidt in Bargfeld bei Eschede: 1958–1979

Ende November 1958 kam es zum Umzug nach Bargfeld in Niedersachsen, dem letzten Wohnort des Dichters Arno SchmidtIn seinem Briefwechsel mit Wilhelm Michels schreiben Alice & Arno Schmidt am 4.12.58:

"Im ehem. Haus Reetz wimmelts zur Zeit noch von Handwerkern (An Elektrodraehten haengen sie, aus Gruben schauen nur Koepfe, tief unten im Brunnen plaetscherts, in dem Raum haemmerts - in jenem malts, kurzum: ein Wettlauf mit der Zeit. Es soll noch kein Frost kommen!" - "Wir wohnen noch im Hause Schlotter, hoffen aber naechste Woche in unsres zu koennen. D.h. mein Mann schlaeft schon da"...."Ich glaube die Landschaft wird auch mir gefallen".

Und am 15. Dezember 1958 schreibt Arno Schmidt an Wilhelm Michels:

"Falls ich die naechsten 14 Tage noch ueberlebe, muesste es eigentlich recht erspriesslich hier werden. Ein Teil der Buecher ist bereits aufgestellt; unten, in der 'ideellen Haelfte', ist tapeziert, gestrichen, exotische Lampenmorcheln spriessen aus einer Ecke - phallische Symbole. Aus dem Boden ragen Maurerkoepfe ( man hebt naemlich 4 Sickergruben aus ); im Bad lehnt pfeiferauchend der teure Fliesenleger; der Tischler hat, nach seinem Dunstkreis zu schliessen, auf meinem Grundstueck eine Arrak=Ader entdeckt - ich glaube, es lebt im ganzen Dorf kein Mensch mehr, der nicht 'Vorschuss' von mir empfangen haette! -"

Wie gut dem Autor Bargfeld und Umgebung gefallen, teilt er Michels bereits am 18.1.1959 mit:

"Jeden Tag wird spazierengegangen - Sie haben die Wasserstiefel ja noch selbst gesehen: >The applause! Delight ! The wonder of our stage!< - es ist wirklich >einzig< ! In den Tagen des grossen Frostes hatten wir einen halben Meter Schnee ( und andere Sorten, als dieses Hessen=Zeugs! ); dazu 15 Grad Kaelte - das ergab Nebel, Farben, Aufgaenge,Rauhreife, Eis, lieber Herr, Eis; das erste Mal in meinem Leben, dass ich von meinem Platz am Schreibtisch den Mond aufgehen sehe ! Wie  gut, dass ich - mit Ihrer Hypothek als Rueckendeckung - doch die Energie aufgebracht habe, ueber Darmstadt mein >mierda< zu sprechen: wie Antaeus komm ick ma vor ! ( Sobald ich mein Gesaess muehsam abgeloest habe, und breitbeinig - nicht aus Hausbesitzerstolz, sondern eben der restierenden Gummistuecke wegen - auf die Veranda trete: da beleidigen mein Auge keine surrealen darmstaedter Zementvororte mehr, keine Ami=Transporte mein Ohr ( hoechstens, dass ein ferner Traktor schnarrend seinen eigenen Fleiss preist: wat Sifter kann, kann ick ooch ! : >Ick=ick=ook; ick=ick=ook<: wird das im Sommer ein Froschgeschrei werden !"

Arno Schmidt Bargfeld - Das Tor zum Anwesen Arno Schmidts in Bargfeld im Landkreis Celle- Foto: Juergen Muegge-Luttermann 2011

Nur selten verließ Arno Schmidt Bargfeld zu laengeren  Tagesausflügen oder wegen mehrtägiger Verwandtenbesuche sein Haus ( Foto oben das Tor zu seinem kleinen Anwesen in Bargfeld); eine solche Ausnahme war die Fahrt im August 1962, als er zusammen mit seiner Frau abermals nach Ost-Berlin fuhr.

Nach mehrjährigen Vorarbeiten veröffentlichte Arno Schmidt 1970 das Hauptwerk "Zettels Traum".

1973 erhielt Arno Schmidt den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main; die Dankesrede in der Paulskirche verlas seine Frau, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht reisefähig war. Darin polemisierte er gegen die Kulturpolitik der DDR:

„Ein derart anmaßend geführter Arbeiter= und Bauernkrieg gegen die Phantasie (…) kann eigentlich nur in einer ebenso fruchtbaren wie sterilen Gebrauchsliteratur enden. (Und daß die marxistisch beliebte Formulierung vom ‚schreibenden Arbeiter‘ imgrunde eine Diffamierung des BerufsSchriftstellers bedeutet – gleichsam wie wenn man derlei auch ohne lebenslange mühsame Ausbildung, so nach Feierabend nebenbei mit=ausüben könne – sei doch ausgesprochen.)“

Anschließend warf Schmidt den Bundesbürgern insgesamt Faulheit vor:

„Sei es noch so unzeitgemäß und unpopulär; aber ich weiß, als einzige Panacee, gegen Alles, immer nur ‚Die Arbeit‘ zu nennen; und was speziell das anbelangt, ist unser ganzes Volk, an der Spitze natürlich die Jugend, mit nichten überarbeitet, vielmehr typisch unterarbeitet: ich kann das Geschwafel von der ‚40=Stunden=Woche‘ einfach nicht mehr hören: meine Woche hat immer 100 Stunden gehabt“.
 
Das Grab von Arno Schmidt in Bargfeld Am Kronsberg
Arno Schmidts Grab in Bargfeld Am Kronsberg

Arno Schmidt starb am 3. Juni 1979 an den Folgen eines Gehirnschlags im Krankenhaus Celle; das Prosawerk "Julia, oder die Gemälde" blieb unvollendet.

Der Dichter H.C. Artmann vor dem Haus Arno Schmidt in Bargfeld bei Eschede im November 1986 - Foto: Juergen Muegge-Luttermann

Der Schriftsteller H.C. Artmann als Gast der "Randlage Eschede" in Bargfeld am Haus von Arno Schmidt im November 1986. ( Fotos:  Juergen Muegge-Luttermann )

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